Zahlreiche österreichische Jungunternehmer sind im E-Commerce erfolgreich unterwegs. Auch der stationäre Handel bietet nach wie vor spannende Möglichkeiten, ein durchdachtes Geschäftsmodell vorausgesetzt. Der Königsweg ist jedoch die friktionslose Verknüpfung beider Welten – die Zukunft heißt Omnichannel.

Mobile Commerce boomt

E-Commerce und M-Commerce sind aktuell die wichtigsten Treiber im Handel. Von 6,8 Mrd. Euro jährlichem Online-Umsatz fallen heuer bereits 530 Mio. Euro auf den Mobile-Commerce, was einem Zuwachs von +25% entspricht. Allein zwischen 2012 und 2017 hat sich die Zahl der SmartphoneShopper versechsfacht. Das Smartphone wird also zum besten Freund des Händlers und senkt nebenbei die Markteintrittsbarriere für Gründer.

Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband & Director of European eCommerce and Omni-Channel Trade Association (Emota)
Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband & Director of European eCommerce and Omni-Channel Trade Association (Emota)
Der neue Trend zur Fläche

Der stationäre Einzelhandel steht hingegen vor zahlreichen Herausforderungen. Die Umsätze stagnieren, die Zahl der Verkaufsflächen geht zurück und die Konzentration in Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Lebensmittel nimmt zu. Gleichzeitig ist aber ein neuer Trend zu beobachten: Immer mehr Onlinehändler gehen in die Fläche, kooperieren mit bestehenden Retailern und bekommen neue Reichweiten. Der direkte Kundenkontakt rückt also wieder stärker in den Fokus.

Die globalen E-Commerce Player haben dies erkannt, weshalb etwa der asiatische Marktführer Alibaba für 2,6 Mrd. Dollar die chinesische Warenhauskette Intime übernommen hat. Amazon hat sich bekanntlich für 13,7 Mrd. Dollar die weltgrößte Bio-Supermarktkette Whole Foods gesichert. Zwei eindrucksvolle Belege dafür, dass online und offline untrennbar zusammengehören.

Zauberformel Omnichannel

Auch in Österreich setzen mittlerweile 109 der 250 umsatzstärksten Onlineshops auf Omnichannel, also eine Verknüpfung sämtlicher Offline- und Online-Kanäle. Damit dies funktioniert, müssen sämtliche Prozesse und Touchpoints optimiert werden – von der intuitiven Online-Präsenz über ein effizientes E-Procurement und E-Fulfillment bis hin zu einem funktionierenden Beschwerdemanagement.

Der Mut zum kanalübergreifenden Geschäftsmodell wird belohnt, denn die Kunden wollen heute möglichst schnell, bequem und unkompliziert einkaufen – egal mit welchem Device. Wer punkten will, sollte Webshop, POS, Sortiment, Logistik und Service laufend verbessern, um den hohen Erwartungen der Konsumenten gerecht zu werden.

Neue POS Technologien als Gamechanger

Neue Location-based Services am POS, etwa Indoor Navigation, digitale Displays, interaktive Kiosk-Systeme oder die Optimierung der Kundenansprache mit Mobile Push und Beacons haben das Potential, den stationären Handel kräftig umzukrempeln. Viele Kunden möchten im Geschäft auch nicht auf die online-verfügbaren Informationen verzichten. Virtual Reality (VR) bzw. Augmented Reality (AR) Lösungen können dabei helfen, Kundenbewertungen oder interaktive Produktinfos in Echtzeit bereitzustellen.

In den kommenden Jahren sind breite Rollouts dieser Technologien zu erwarten – eine große Chance für innovative Start-Ups. Nicht zuletzt können Händler in Zukunft auch mit dem Thema Payment punkten – etwa durch Kassenterminals, welche NFC-fähige Smartphones oder die Bezahlung mit Kryptowährungen (Bitcoin) unterstützen.

Rechtliche Vorgaben als Herausforderung

Nur an 3,4% aller Käufe bei österreichischen Onlinehändlern gibt es juristisch etwas zu bemängeln – ein europäischer Spitzenwert. Trotzdem ist es gerade für heimische Start-Ups und KMU schwierig, sämtliche rechtliche E-Commerce-Rahmenbedingungen im Blick zu behalten – sei es die barrierefreie Gestaltung von Webshops (seit 1.1.2016 in Österreich verpflichtend) oder die Implikationen der europäischen Datenschutzgrundverordnung (ab 25.5.2018 verpflichtend anzuwenden).

Eine Nichterfüllung kann allerdings mit sehr hohen Strafen geahndet werden, weshalb hier die Inanspruchnahme (kostenloser) Beratungsmöglichkeiten, Checks und Zertifizierungen sowie ein regelmäßiger Austausch im Rahmen von Konferenzen und Start-Up-Stammtischen ratsam ist. Auch der Handelsverband steht interessierten Händlern mit Rat und Tat zur Seite.

Autor: Rainer Will
Bilder: © Pexels | ZVG


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